Copilot im Marketing: Warum die Lizenz allein nicht reicht

Viele Unternehmen haben Microsoft Copilot in den vergangenen Monaten unternehmensweit eingeführt. Die Lizenzen sind bezahlt, die technische Einrichtung ist erledigt. Und dann? Oft: wenig. Marketingteams nutzen Copilot kaum – oder nur für einfache Aufgaben wie E-Mails und kurze Texte. Die eigentlichen Marketingprozesse laufen weiter wie bisher. Das ist kein Einzelfall, sondern ein verbreitetes Muster. Und es gibt oft eine klare Ursache.

Warum Copilot im Marketing oft nicht ankommt

Muster 1: Erste Nutzung enttäuscht, und das war’s
Mitarbeitende probieren Copilot aus, ohne zu wissen, was sie konkret damit anfangen sollen. Die Ergebnisse entsprechen nicht den Erwartungen. Die Schlussfolgerung: Das Tool taugt nichts. Damit ist das Thema erledigt, bevor es wirklich begonnen hat.
Das Problem ist nicht Copilot. Das Problem ist, dass niemand gezeigt hat, wie man das Tool sinnvoll für eine reale Aufgabe einsetzt.

Muster 2: Copilot wird genutzt, aber nur an der Oberfläche
Mitarbeitende nutzen Copilot regelmäßig – für E-Mails, für einfache Texte, für schnelle Zusammenfassungen. Das ist nicht falsch. Aber es schöpft einen Bruchteil dessen aus, was möglich wäre. Der Rest bleibt ungenutzt, weil niemand gezeigt hat, was Copilot darüber hinaus kann.

Was rollenspezifisches Training bedeutet

Der häufigste Fehler bei der Copilot-Einführung ist die Verwechslung von Prompt-Training mit Anwendungs-Training.

Prompt-Training erklärt, wie man einen guten Prompt schreibt. Das ist nützlich, aber abstrakt. Es beantwortet nicht die Frage, die Marketingmitarbeitende wirklich haben: Wie setze ich Copilot konkret für meine Aufgaben ein?

Rollenspezifisches Training geht anders vor. Es nimmt eine reale Marketingaufgabe und zeigt, wie Copilot dabei Schritt für Schritt unterstützen kann, ohne dass Mitarbeitende erst überlegen müssen, wie sie einen allgemeinen Prompt auf ihre spezifische Situation übertragen.

Ein Praxisbeispiel: Eventplanung mit Copilot Ein Unternehmen plant ein Jubiläumsfest zum 100-jährigen Bestehen. Mit Copilot lässt sich diese Aufgabe strukturiert durcharbeiten:

  • Brainstorming: Erste Konzeptideen entwickeln
  • Detailplanung: Agenda und Checkliste für das gewählte Konzept
  • Kommunikation: Einladungsentwürfe für verschiedene Zielgruppen

Mitarbeitende, die das einmal konkret erlebt haben, verstehen sofort, welchen Unterschied ein aufgabenspezifischer Workflow macht und wollen mehr.

Was Führungskräfte konkret tun können

Bevor ein weiteres Training angesetzt wird, lohnen fünf Fragen:

1. Welche Use Cases haben wir im Marketing?

Welche Aufgaben sind repetitiv, zeitaufwendig oder qualitätskritisch? Das ist der Ausgangspunkt, nicht das Tool.

2. Welche Use Cases bringen den größten Nutzen?

Nicht jede Aufgabe profitiert gleich stark von KI-Unterstützung. Dort anfangen, wo der Hebel am größten ist.

3. Ist die Datenbasis vorhanden?

Copilot arbeitet mit den Daten in OneDrive und Microsoft 365. Wenn relevante Inhalte fehlen oder nicht strukturiert sind, liefert Copilot entsprechend eingeschränkte Ergebnisse.

4. Stimmt die Marketingbasis?

Copilot kann vorhandene Strategie und Positionierung operationalisieren, aber keine fehlende ersetzen. Ohne tragfähige Persona, klare Zielgruppen und definierte Ziele entstehen keine konsistenten Ergebnisse.

5. Sollten diese Prozesse überhaupt so weitergeführt werden?

Schlechte Prozesse werden durch KI nicht besser, sie werden schneller schlecht. Und nicht jede Person im Marketing braucht eine Copilot-Lizenz. Das macht die Planung komplexer, ist aber die ehrlichere Frage.

Copilot kann wirken — wenn die Voraussetzungen stimmen

Copilot ist kein schlechtes Tool. Wer weiß, wie er es für seine konkrete Aufgabe einsetzt, wer auf eine saubere Datenbasis zugreifen kann und wer in einem sinnvollen Prozess arbeitet, wird echten Nutzen erleben. Die Lizenz allein schafft das nicht. Aber sie ist ein guter Anfang, wenn das Richtige folgt: fachbereichsspezifische Befähigung, klare Use Cases und eine Marketingbasis, auf der KI aufbauen kann.

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Bild Cathrin Gerhard-Kaufmann

Cathrin

Gerhard-Kaufmann

12. August 2026

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